16.04.2001
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TerraX

Wettlauf zur Venus

Ostermontag, 16. April 2001, 19.30 Uhr

 

1768 beginnt die größte aller Sternfahrten, alle Teilnehmer sind Himmelsforscher. Vor ihnen liegen riesige Strecken mit halsbrechenden Fahrten durch wegloses Gelände: in brennender Sonne und eisiger Kälte! Die Zielorte sind über den ganzen Erdball verteilt, Das Zieldatum steht fest. Am 3. Juni 1769 wollen die Forscher eine astronomische Sensation beobachten: Dann wird die Venus über die Sonnenscheibe wandern.

Schwarzer Punkt im Sonnenrund
Wenn sich der Mond genau zwischen Erde und Sonne schiebt, erleben wir eine Sonnenfinsternis. Der kleine, aber sehr nahe Mond verdeckt die scheinbar gleich große Sonnenscheibe, und der helle Tag wird minutenlang nachtgrau. Auch die Venus kann unseren Blick auf die Sonne kreuzen, denn sie umkreist das Zentralgestirn in einer engeren Umlaufbahn als die Erde. Dann zieht die Venus so zwischen Erde und Sonne vorbei, dass sie für die Dauer mehrerer Stunden als schwarzer Punkt das Sonnenrund durchquert. Der große Zyklus, der Erde, Venus und Sonne in eine Linie führt, lässt nach über hundertjähriger Pause immer zwei solcher "Venus-Passagen" kurz hintereinander folgen. Während das 20. Jahrhundert leer ausging, wird sich das Ereignis im 21. schon bald wiederholen: im Juni der Jahre 2004 und 2012!

Wissenschaftliche Gemeinschaftsleistung
Die Sternwarten von London und Paris sind 1768 die Kontrollzentren des "Unternehmens Venus". Große Weltkarten zeigen die Zielorte der einzelnen Expeditionen. Es ist die erste wissenschaftliche Gemeinschaftsleistung der europäischen Nationen! Überall verfolgt man das weltumspannende Projekt mit größtem Interesse. Koordinaten auf der Karte zeigen, an welchen Orten auf der Erde die Venus-Passage zu sehen sein wird.

Schlüssel für die Lösung
Warum hatte die Passage der Venus für die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts so große Bedeutung? Damals war der Abstand der Erde von der Sonne noch unbekannt. Die Entfernungen im Sonnensystem konnten weder in Meilen noch in irgend einem anderen Längenmaß angegeben werden. Der Schlüssel für die Lösung lag bei der Venus! Jetzt wollte man eine Venus-Passage von weit über den Globus verteilten Standorten aus beobachten. Die Momente der scheinbaren Berührung der Venus mit dem Sonnenrand sollte jeder Beobachter sekundengenauer Uhrzeit notieren. Doch die Messergebnisse würden um Sekunden oder gar Minuten von einander abweichen - um so mehr, je weiter die Positionen der Zeitnehmer aus einander lagen. Aus diesen Differenzen ergab sich die Lösung. Denn aus der zeitlichen Verschiebung ließ sich der Winkel zwischen Sonne und Beobachter errechnen. Je kleiner dieser Winkel war, um so weiter musste sie entfernt sein!

Point Venus
Bereits im Mai 1768 hat William Wales England Richtung Hudson Bay verlassen. Er muss seinen Zielort im äußersten Norden Kanadas rechtzeitig erreichen, bevor ein früher Eisgang die Strecke unpassierbar macht. Nach drei Monaten auf See erreicht Wales sein Ziel und überwintert an der eisigen Hudson Bay. Zu gleicher Zeit verlässt die "Endeavour" den Londoner Hafen. Sein Ziel ist die eben erst entdeckte Südseeinsel Tahiti. Noch sind große Teile der Erde völlig unbekannt. Die Weltreise der "Endeavour" wird viele weiße Flecken auf den Landkarten tilgen. Leiter der Expedition ist der noch unbekannte Seeoffizier James Cook. Er wird als einer der berühmtesten Entdecker seiner Zeit in die Geschichte eingehen und mehr für die Erkundung der Welt tun als je ein Mensch zuvor. Zu Ehren seiner Mission nennt er eine Landzunge auf Tahiti "Point Venus".

Rendezvous am Himmel
Auch die Expeditionen, die im Russland Katharinas der Großen nach Osten aufbrechen, müssen in dem riesigen Reich ozeanweite Entfernungen zurücklegen. Unter den Wissenschaftlern, die dem Ruf der Zarin gefolgt sind, ist auch der Göttinger Professor Georg Lowitz. Er macht sich auf den Weg durch die kasachischen Steppen, um das Rendezvous am Himmel am Ufer des kaspischen Meeres zu beobachten.

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