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300.000 Menschen leben in Manila im und vom Müll, den 16 Millionen Einwohner täglich ausstoßen. Die "garbage-pickers" sammeln in der ganzen Stadt die Wertstoffe aus den stinkenden Haufen und machen sie zu Geld.
Am Fuß eines riesigen Müllberges haben viele ihr Zuhause gefunden. Im Slum von Payatas ist eine Kleinstadt für den Abfall. Die Straßen haben keine Namen, Hütte reiht sich hier an Hütte. Die Bewohner nennen ihren Ort lupang pangako, "gelobtes Land". Als sie die Parzellen 1986 nach der Revolution gegen Marcos erhielten, dachten sie, hier ein neues Leben aufbauen zu können. Statt der Übereignung schickte der neue Bürgermeister die Müllwagen. Jeden Tag spuckt die Metropole neuen Abfall aus. 16.000 Kubikmeter Müll täglich. 13 Hektar Land sind mittlerweile vom Müll bedeckt.
Jonmar Rodolfo ist 11 Jahre und lebt schon immer am Rand der Halde. Seine Familie ist von einem benachbarten Slum nach Payatas umgezogen, weil ihr alter Wohnort abgerissen wurde. Morgens geht Jonmar manchmal zur Schule, nachmittags pickt er. Am Tag verdient er bis zu 70 Pesos (etwas über 3 DM). Jonmar hasst es, herzukommen. Aber er will zum Familieneinkommen beitragen. Am meisten bringen Blechdosen, ein Sack Dosen finanziert ein Kilo Reis.
Müll ernährt die Menschen auch am Hafen von Manila. Jennalyn, 14 Jahre und Renalyn, 13 Jahre sind beide Mülltaucher. Die Kinder am Pier 18 haben eine Art entwickelt, wie sie ihre Lage positiv betrachten können. Es ist kein Sarkasmus, wenn sie das mit Plastik bedeckte Ufer des stinkenden Hafenwassers "Happyland" und ihren Ort "Aromabeach" nennen. Ob sie wegwollen? "Nein, uns geht es gut hier", meint Jennalyn.
15 Familien haben hier ihre Hütten direkt am Wasser gebaut. Viele der Kinder sind unterernährt, sie leiden unter Magen-Darmbeschwerden und Hautkrankheiten. Das Wasser ist völlig vergiftet, kein Fisch kann darin überleben. Die Chemische Industrie leitet ihre Giftstoffe unkontrolliert ein, doch die Kinder schwimmen in der Kloake, tauchen an Essensresten und Hundeaas vorbei, alles, um Müll zu sammeln.
Mit einem Beutezug erwirtschaften die Kinder 12 Pesos, das reicht für ein Pfund Reis. Jennalyn hat neun Geschwister. Die Familie ist darauf angewiesen, dass sie arbietet. Jennalyn und ihre Schwester können schwimmen, aber sie haben immer Angst vor dem Ertrinken. Erst kürzlich ist ein Kind gestorben, als es ins Wasser sprang.
Ihre Beute bringen die Kinder zu den "Junk Shops". Die Zwischenhändler schlagen 100 Prozent auf und verkaufen den Müll als Rohstoff weiter. Sie erwirtschaften mit den Zivilisationsresten 50 Dollar am Tag, den Kindern geben sie 80 Cent. Die Ungerechtigkeiten hören nicht auf. Erst recht nicht im größten Dreck.
Seit einem Monat hat Manila Mülltrennung eingeführt - zunächst als Modellprojekt -, ein Fortschritt, der die "garbage picker" um ihre Jobs bringen kann. Vorsortierter Müll macht den Müll wertlos, ganze Städte an Rand der Halden werden überflüssig. Was wollen die Müllsammler machen, wenn tatsächlich ihre Arbeit nicht mehr gebraucht würde, fragte Anne Reidt in Manila. Sie bekam zur Antwort: "Dann wollen wir Müll-Facharbeiter werden. Auf diesem Gebiet kennen wir uns aus. Da können wir etwas."
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